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Die "Schierstein" schreibt Rettungsbootgeschichte

Veröffentlicht: 30.08.2026
Autor: Maria Mildenberger
Zum Abschluss der Veranstaltung konnten die Gäste das Jubiläumsboot nicht nur aus der Nähe betrachten, sondern auch selbst erleben: Wer wollte, hatte die Möglichkeit, mit der „Schierstein“ mitzufahren und das 70 Jahre alte Einsatzboot vom Wasser aus kennenzulernen.

70 Jahre im Einsatz

1956 als Prototyp gebaut, 1957 getauft und noch heute im Einsatz: Das Rettungsboot der DLRG Schierstein blickt auf sieben Jahrzehnte Einsatzgeschichte zurück. Möglich machen das vor allem die Pflege, das technische Know-how und das ehrenamtliche Engagement mehrerer Generationen.

70 Jahre sind für ein Einsatzboot eine außergewöhnlich lange Zeit. Das Rettungsboot der DLRG in Schierstein hat diese Marke erreicht – und ist noch immer fester Bestandteil des Stationsbetriebs. Es hat brennende Motorboote erlebt, bei der Absicherung gesunkener Boote geholfen, Suchaktionen unterstützt und zahlreiche liegengebliebene Boote abgeschleppt. Dabei ist es längst nicht nur ein Stück Vereinsgeschichte, sondern nach wie vor ein wichtiges Arbeitsgerät der Wasserrettung.

Seine Geschichte beginnt 1956. Damals wurde das rund acht Meter lange und 2,30 Meter breite Boot als Prototyp gebaut. Es wog 2,2 Tonnen und war mit einem 65 PS starken Ford-Motor sowie einem Schottel-Ruderpropeller SRP 30 ausgestattet. Konzipiert war es als technisches Mehrzweckboot und universelles Unfall- und Rettungsboot.

Ein Werbefilm für das neue Rettungsboot

Schon die Finanzierung des Bootes war ungewöhnlich. Um den Kauf zu ermöglichen, drehte die damalige Kreisgruppe einen Werbefilm über die Arbeit der DLRG. Nach der Uraufführung 1954 wurde der Film als Vorfilm in deutschen Kinos gezeigt. Die Einnahmen daraus flossen in die Finanzierung des neuen Einsatzbootes.

1957 wurde das Boot schließlich getauft. Zu dieser Zeit war es bereits das vierte Einsatzboot der Kreisgruppe.

Vom Rettungsboot zum Arbeitsboot

In den folgenden Jahrzehnten wurde das Boot immer wieder überholt und technisch angepasst. 1970 stand eine große Überholung bei der Schottelwerft an.

1976 folgte der wohl umfangreichste Umbau: Das Boot wurde um zwei Meter verlängert und damit vom ursprünglichen Rettungsboot zu einem leistungsfähigen Arbeitsboot weiterentwickelt. Ein 125 PS starker Mercedes-Lkw-Motor sorgte für mehr Leistung. Zusätzlich wurde eine Ziegler-Löschpumpe mit Löschmonitor eingebaut.

Damit erweiterten sich die Einsatzmöglichkeiten erheblich. Das Boot konnte nun nicht nur bei Rettungseinsätzen unterstützen, sondern auch Brände auf dem Wasser bekämpfen und havarierte Boote lenzen.

Bis 2005 folgten weitere Werftaufenthalte. Unter anderem wurde das Spiegelheck verbreitert und das Unterwasserschiff erneuert. 2019 stellte ein undichtes Kühlwassersystem das inzwischen 63 Jahre alte Boot vor eine weitere große Herausforderung. Bei Huhle wurde eine umfangreiche Reparatur durchgeführt.

70 Jahre, aber noch lange nicht ausgedient

Die lange Einsatzgeschichte zeigt, wie vielseitig das Boot bis heute eingesetzt wird. Ob brennendes Motorboot, gesunkenes Boot im Hafen, Absicherung bei Einsätzen, Suchaktion oder das Abschleppen eines liegengebliebenen Wasserfahrzeugs – auf das alte Einsatzboot war und ist Verlass.

Dass es nach sieben Jahrzehnten noch immer einsatzbereit ist, ist allerdings kein Selbstläufer. Tausende Stunden ehrenamtlicher Arbeit wurden über die Jahre in Wartung, Reparaturen, Instandhaltung und Pflege investiert.

Ein annähernd vergleichbarer Ersatz würde die finanziellen Möglichkeiten der DLRG deutlich übersteigen. Das 70 Jahre alte Boot bleibt deshalb ein unverzichtbarer Bestandteil des Stationsbetriebs – und ein Beispiel dafür, was durch ehrenamtliches Engagement und sorgfältige Pflege möglich ist.

Wasserrettung braucht starke Partner

Bei der Jubiläumsfeier wurde auch die Bedeutung der Zusammenarbeit hervorgehoben. Stadtverordnetenvorsteher Dr. Gerhard Obermayr betonte die Kooperation innerhalb der „Blaulichtfamilie“, mit der Politik und mit den Wassersportvereinen. Gerade weil immer mehr Menschen ihre Freizeit auf dem Wasser verbringen, sei ein funktionierendes Netzwerk für die Sicherheit wichtig.

Das Wasser sei als Freizeitbereich wieder stärker entdeckt worden. Gleichzeitig gebe es bislang nur begrenzte strukturelle Unterstützung für die damit verbundenen Aufgaben. Nostalgische Boote wie das Schiersteiner Rettungsboot seien zwar schön anzusehen, entscheidend sei aber, dass die Wasserrettung auch künftig ausreichend unterstützt werde.

Denn ohne die Arbeit der DLRG wäre es um die Sicherheit auf dem Wasser deutlich schlechter bestellt. Gefahrenhinweise, die Präsenz vor Ort und das schnelle Eingreifen im Notfall können Leben retten. Wie viele Unglücke dadurch verhindert oder wie viele Menschen dadurch geschützt werden, lasse sich letztlich nicht beziffern.

Urban Egert, Ortsvorsteher von Schierstein, würdigte insbesondere die außergewöhnlich gute Pflege des Bootes. Die lange Einsatzdauer sei Ausdruck einer guten Leistung und des großen Engagements der Aktiven. Das Boot sei inzwischen fest mit Schierstein verbunden und gehöre einfach zum Ort und zum dortigen Stationsbetrieb.

Auch die Geschichte des Schottelantriebs macht das Boot zu etwas Besonderem. Ruben Singhof  von der Schottelwerft berichtete, dass es sich nach Angaben der Werft um den ältesten noch in Deutschland betriebenen Schottelantrieb handelt.

Das Boot wurde 1956 in Auftrag gegeben und war von Beginn an als technisches Mehrzweckboot sowie als universelles Unfall- und Rettungsboot konzipiert. Dass die Verbindung zwischen Boot und Werft auch nach 70 Jahren noch besteht, wurde bei der Jubiläumsfeier besonders deutlich.

Die Schottelwerft bewahrt von ihren Materialien Rückstellungsproben auf. Aus historischem Material, das mit dem Boot in Verbindung steht, wurde eigens ein Standemblem gefertigt. Dieses besondere Stück Technikgeschichte überreichte Singhof als Geschenk an die Schiersteiner Wasserretter.

Ein Stück DLRG-Geschichte mit Zukunft

70 Jahre Einsatzgeschichte bedeuten nicht nur sieben Jahrzehnte Technik, sondern vor allem sieben Jahrzehnte ehrenamtliches Engagement. Generationen von DLRG-Aktiven haben das Boot gefahren, gewartet, repariert und gepflegt – und damit dafür gesorgt, dass es immer wieder aufs Wasser gehen konnte.

Der Dank gilt deshalb allen, die über die Jahrzehnte ihren Beitrag zum Erhalt und Betrieb des Bootes geleistet haben. Zugleich richtet sich der Blick nach vorne: Auch die nächste Generation der Aktiven wird bereits an das Boot, seine Technik und seinen Betrieb herangeführt.

Damit bleibt das 70 Jahre alte Rettungsboot das, was es seit Jahrzehnten ist: ein zuverlässiger Helfer auf dem Wasser, ein Herzstück des Stationsbetriebs und ein Stück Schiersteiner DLRG-Geschichte, das noch immer aktiv gelebt wird.

 

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